Weiße Kobra
Pünktlich zum kalendarischen Frühlingsanfang hat sich die Realität dazu entschlossen, dem Kalender Folge zu leisten und die Menschen treten wieder aus ihren Bauten ans Tageslicht. 
 
Wie immer um diese Jahreszeit stelle ich zufrieden fest, dass ich doch nicht der einzige Mensch im Tal der Vergessenen bin. Da sind noch andere meiner Art… sie walken, sie joggen, sie fahren Fahrrad oder buddeln in ihren Gärten. Und alle lächeln freundlich. Ich mag den Frühling!
 
Die Spechte hämmern und sägen mit den Holzfällern um die Wette und Max schnuffelt noch heftiger in den vom Eis aufgetauten, nun weichen, Boden hinein.
 
Bienen summen und die Krokusse der vorigen Woche


...hängen bereits wieder schlaff im Endstadium ihres Seins. Da das so schnell geht, frage ich mich (wie jedes Jahr) ob ich wenigstens diesmal das Werden und Sein der Blüte tatsächlich zur Genüge beobachtet oder wieder achtlos geglaubt habe, dass eine solch schöne Blüte ewig währe, während ich mich zwischenzeitlich um andere Dinge kümmern könne…
 
Heute hatte ich eine wunderschön ausgeklügelte Fährte für Max gelegt, direkt nachdem meine Physiotherapeutin alle meine Wirbel und Gelenke vom Hals bis zum Fuß zum Krachen nötigte und ich mich körperlich im Schwebezustand befand. „Alles hängt zusammen“, sagte sie und stimmte mich noch lange nachdenklich.
 
Ich fuhr also glücklich nach Hause, packte meinen Mini-Rucksack mit Geschirr und Zugleine sowie einer Flasche Wasser und machte mich mit Max auf den Weg durch unser wunderschönes, sonnendurchflutetes Tal. 
 
Dem Gesang der Lärchen lauschend, die hoch in den Lüften über mir schweben, gebe ich mich ganz dem „Alles zusammenhängenden“ hin, während Max sich den störenden Gerüchen der Rüden, die seit gestern in unser Revier eingedrungen waren, hingibt. Grummelnd und kratzend überschreibt er deren veraltete Nachrichten, den Schnee von gestern, denn jetzt ist ER da…  und die Damenwelt wird dies vernehmen, für jetzt und in alle Zukunft. 
 
Am Ort der Tat angekommen, lege ich Max das Geschirr an, klicke die Zugleine und Max ist sofort voll im Rausch. Glücklicherweise hat er nicht bemerkt, dass das Wiener Würstchen, welches ich stückchenweise auf der Fährte verteilt hatte, einfach verschwunden war!
 
Da hatte wohl jemand zwischenzeitlich eine höchst angenehme Erfahrung, die jedoch nach der Hälfte der Fährte gestört worden war, denn plötzlich sind die Wiener wieder da und Max schnuppert noch heftiger. Laut klärt er die alte Luft in der Nase, um Neues einzusaugen, denn das dicke Ende kommt noch. Oben im Wald liegt das fette Einzigartige der Jagd zwischen den Baumstämmen verborgen – Max wusste es, ich wusste es und so hat er es letztendlich erwischt und wälzt sich zufrieden im Laub, gräbt sich in die kühle Walderde während ich auf dem vermoosten Baumstamm raste, das mitgeführte Wasser mein Inneres erfrischt und ich glücklich meinem Hund zuschaue, der ganz stolz zu sein scheint, denn er hat es gefunden, er ist der Held des Tages.
 
Die Greifvögel beginnen bereits ihren Hochzeitstanz und wir haben ein Paar weiße Reiher im Tal. Die „Neuen“ sind wunderschön anzusehen, und ich möchte die Zeit anhalten.
 
Max lauscht mit der Nase der lockenden Stimme des Bachs und rennt noch mal hinunter, verschwindet darin. Lediglich seine Rute ragt wie eine weiße Kobra beim indischen Schlangentanz aus der Bachböschung empor und ich renne schon mal los, denn er wird mich jagen und mir das Schleckerli entreißen wollen, dass ich hoch in die Lüfte werfe, kurz bevor er bei mir angekommen ist.
 
Ich kreische und lache… was für eine Freude, was für ein wunderschöner Tag!
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