Die Frühlingsrolle
Ein herrlicher Tag und ich gehe froh gelaunt mit Max an einigen Gärten entlang.

Um die Ecke an der Hecke kommt etwas herangeflogen und brettert in meinen angeleinten Max. Ein junger Rüde. Bevor es ein Leinenknäuel wird, lasse ich Max los, damit beide Hunde agieren können.

Noch ahne ich nicht, dass um die Ecke hinter der hohen Hecke die Katastrophe lauert!
Und zwar in Form einer höchst aufgebrachte Dame, die sich plötzlich zwei erwachsenen Rüden gegenüber sieht: Nämlich Max und ihrem –zugegebenermaßen aus menschlicher Sicht erheblich kleinerem-  Fiffi.

Max präsentiert sich als Cheffe , aber Fiffi  ist auch nicht schlecht und steht „seinen Mann“.  Noch ist gar nichts weiter geschehen und noch gar nix entschieden. Möglicherweise könnte Fiffi Max ans große Bein pinkeln und leise flüstern: „Verpiss dich, du Aufschneider!“

Doch es soll gar nicht so weit kommen, denn die Dame fängt an, herumzubrüllen, warum ich meinen Hund nicht angeleint hätte und warum ich ihn zu fremden Hunden ließe. Hä? Wie? Was? Fiffi  ist –genau wie Jungrüpel- ebenfalls nicht angeleint und ich muss zu meiner Schande zugeben, dass mein inneres UmdieEckblick-Auge kläglich versagt hat.

 „Na super!“, denke ich mir und schlage vor, doch einfach ruhig weiter zu gehen, aber die Fiffi-Frau schreit mich an, ich solle sofort meinen Hund da wegnehmen, denn Max hat sich in ihren panischen Augen bereits als Killermaschine entpuppt, der ihr Hundi mit einer dicken Frühlingsrolle verwechselt hat.

Kein guter Vorschlag aber die Dame ist nicht mehr zu beruhigen - ich greife nach Max Halsband und meine Befürchtungen bewahrheiten sich auf der Stelle! Max ist erst mal schneller als ich und stürzt sich mit ordentlichem Getöse auf diese Pappnase, denn mein Eingreifen kann nur Unterstützung bedeuten.

Die Frau wird nun hysterisch, aber… keine Panik auf der Titanic… ich bekomme Max am Halsband zu packen und ziehe ihn weg. Fiffi kommt völlig unversehrt wieder zum Vorschein und wundert sich wahrscheinlich, was da oben wohl abgeht.

Soweit so gut.

Aber ich habe nicht mit einer Furie gerechnet, die nun zu meinem großen Erstaunen die Sache selber in die Hand nehmen will, mir meinen Hund entreißt und ihm in der Hitze des Gefechts das Halsband entwindet. Mein wahrscheinlich zu leise gesagtes „Ich habe ihn schon“ ging im Gemetzel unter.
Max ist nun nackig, glitschig wie ein Fisch, und nutzt die Gelegenheit, sich dem für ihn wahren Grund  des ganzen Gezeters erneut zuzuwenden: Fiffi!

„Was machen Sie denn da?“, frage ich noch, aber die Frau ist außer sich und versucht,  meinen Hund im Genick zu packen – ich versuche, ihr zuvor zu kommen und so rangeln wir beide um das dichte Fell von Max, der ziemlich sauer seinen Fiffi verteidigt.

Wäre doch prima, mir das Halsband zurückzugeben (guter Vorschlag von mir). Es landet irgendwie in meiner Hand, ich schlinge es um Max und leine ihn an.

Oh Manno! Endlich geschafft! Ich kann wieder die zwitschernden Vögel hören.

Deutlich vernehme ich jedoch den für immer unausgesprochenen Groll aller Beteiligten:
Max: Keine Frühlingsrolle
Ich:    Warum hat Max nicht die Frau gefressen?
Frau:  Durch diese Zicke wurde mein Hundi fast getötet
Und last not least klein Fiffi selber, der keine Gelegenheit bekam, Max ans große Bein zu pissen.

Jungrüpel tänzelt weiter um uns herum, aber mir ist irgendwie die Lust vergangen….
 
Copyright
 
Der Mensch am anderen Ende der Leine
 
Tiere suchen ein liebevolles Heim
 
Mein Favorit zum Thema Hundeerziehung
 
 
Heute waren schon 1 Besucher (23 Hits) hier!