Ein kluger Hund

Gerade lese ich mal wieder einen Artikel über das Thema „Wie bringe ich meinen Hund dazu, auf Spaziergängen mehr auf mich zu achten.“ Der am häufigsten gegebene Ratschlag lautet: Wenn dein Hund gerade mal wieder selbst- und Frauchenvergessen durch die Weltgeschichte trottet, verstecke dich und gib keinen Mucks von dir. Schon bald wird dein Hund beginnen, panisch nach dir zu suchen und von Stund an ständig schauen, was du gerade treibst. Bloß den Anschluß nicht noch mal verlieren! Mach das am besten, wenn dein Hund noch Welpe ist und mit Haut und Haaren von dir abhängt, dann brennt sich das tief in sein Gedächtnis. DIE todsichere Methode!

 

Während also das nächste mal mein Welpe ein kleines Stück voraus den Wegesrand auf Mäuse inspizierte, drückte ich mich mit einem hinterhältigen Grinsen in einen Feldweg hinter das Rapsfeld auf der linken Seite. Ha, Bürschchen, gleich wirst du, randvoll mit Verlassensängsten, zurückgelaufen kommen!

 

Dachte ich. Als nach einer Weile immer noch kein Scotty aufgetaucht war, schaute ich mal vorsichtig um die Ecke, was der kleine, vermeintlich hilflose Welpe denn so trieb. Hatte er denn immer noch nicht gemerkt, dass Frauchen verschwunden war? Weit und breit kein Hund zu sehen. Keine Reaktion auf mein Rufen. Nun war es an Frauchen, leicht in Panik zu geraten. Wo war der arme Kleine? Irrte er irgendwo orientierungslos herum? Völlig verängstigt vielleicht! Am Ende hatte ich ihn jetzt traumatisiert?

 

Da mir sonst nichts zu tun übrig blieb, ging ich zunächst mal nach Hause – wo mir freudestrahlend ein Mädchen aus der Nachbarschaft und hinter ihr her Scotty entgegengetobt kamen… Da er mich aus den Augen verloren hatte, war er halt kurzerhand heimgelaufen. Immerhin hatte ich jetzt die Gewissheit, wenn schon keinen aufmerksamen, so doch immerhin einen klugen Hund zu haben.

 

Diesen Eindruck hat er noch mehrfach bestätigt. Zum Beispiel, als mein Mann, meine Schwiegermutter und unsere beiden Hunde gerade in einem netten Wald spazieren gingen, als es rechts plötzlich im Unterholz knackte. Genauso plötzlich waren unsere Hunde weg. Während Ronja kurz darauf wieder auftauchte, blieb Scotty verschwunden. Wir ließen meine Schwiegermutter in Nähe des ursprünglichen Tatortes zurück und machten uns in verschiedenen Richtungen auf die Suche. Je länger die Suche ergebnislos verlief, desto erstaunlicher waren die Schreckensszenarien, die sich in meinem Kopf entwickelten. War der Hund auf die Straße geraten und überfahren worden? Vom Jäger erschossen? Irgendwo hineingefallen und kam nicht mehr heraus?

 

Ich bin sicher, selbst bei nüchterner Betrachtung hat unsere Suche mindestens eine halbe Stunde gedauert. Bis meine Schwiegermutter, der wir das Handy meines Mannes dagelassen hatten, einen Anruf von einem freundlichen Herren erhielten. Der hatte die Nummer von Scottys Halsband.

 

Folgendes war passiert: Wir hatten uns, nachdem der erste Hund wieder aufgetaucht war, ein wenig von dem Ort entfernt, wo die beiden abgegangen waren. Gerade mal außer Sichtweite. Deshalb hat Scotty uns vermutlich nicht direkt gesehen, als er genau an den Punkt seines Verschwindens zurückkehrte, und ist, statt lange rumzusuchen, zum Auto zurückgelaufen. Da es da natürlich irgendwann langweilig wurde (Herrchen und Frauchen waren ja unnötiger Weise damit beschäftigt, panisch durch den Wald zu toben), ist er halt rüber auf die andere Straßenseite zum Ausflugslokal. Da konnte man mal die Leute im Biergarten besuchen, im Restaurante die Tische inspizieren und in der Küche vorbeischauen… Schließlich hat sich einer der Gäste an den großen haarigen Hund herangetraut und am Halsband die Telefonnummer entdeckt.

Copyright
 
Der Mensch am anderen Ende der Leine
 
Tiere suchen ein liebevolles Heim
 
Mein Favorit zum Thema Hundeerziehung
 
 
Heute waren schon 19 Besucher (116 Hits) hier!