Fährtenarbeit


Nun, da Max so langsam im Zenit seines Lebens steht, er wird jetzt bald 8, ist es an der Zeit, mit der Fährtenarbeit zu beginnen. Er hat jetzt die geistige Reife, sich voll zu konzentrieren… hoffe ich wenigstens…

Selbstverständlich habe ich mich eingehend informiert, entsprechende Literatur sowie einige Videos studiert. Der Hund muss bei der Fährtensuche jede einzelne Fußspur sehr sorgfältig ausschnüffeln – später wird er dann die auf der Spur liegenden Gegenstände anzeigen, ich werde sie aufheben und für die applaudierende Menge in die Luft halten, die imaginäre Prüfungskommission wird anerkennend nicken, während Hundi freudig hechelnd auf weitere Befehle wartet. Jo… so muss es sein!

Heute ist also Tag Eins. Ein herrlich sonnendurchfluteter Herbsttag und wir ziehen los. Eine besondere Leine für diese Tätigkeit, ein Steckschild, sowie Käsestückchen zieren meinen „Munitionsgürtel“ und natürlich die Kamera, denn das muss ja in Bild und Ton festgehalten werden für die Memoiren.

An einem abgelegenen Waldweg lege ich Max ins Platz und mache mich daran, unsere erste Fährte zu gestalten. Getreu der Beschreibung schiebe ich unter jeden Einzelnen meiner Fußschritte ein kleines Käsestückchen. 

Hm… bei dem etwa 20-jährigen Mädel im YouTube Video sah das irgendwie einfacher aus, als es tatsächlich ist für ein 36 Jahre älteres Mädel wie mich. Bei jedem Schritt ächzte beim Bücken die Bandscheibe und meine Füße wollten nicht standhaft bleiben, als ich das Käsestück drunter schieben wollte. Zu allem Überfluss verklebte der Käse mit dem Laub und meinen Schuhsohlen. Diese Käse-Laub-Pampe löste sich dann auf meinem Rückweg von den Sohlen, was ich allerdings erst später feststellte. 

Ich schätze mal, dass mein ansonsten gestählter Körper solche Verrenkungen nicht gewohnt ist und dass meine Zerrung in der rechten Kniebeuge daher rührt.
 
Max schaute jedenfalls recht verwundert, als ich wieder auf ihn zuhinkte, um nun die Kamera zu platzieren, einzuschalten, die coole Schleppleine durch seine Beine zog und wir uns gemeinsam ganz vorsichtig dieser hart erkämpften Spur näherten.

 
Natürlich wollte er sofort lossprinten, wie er es vom Trailing mit Geschirr gewohnt ist, wurde aber von mir daran gehindert, denn er sollte ja jede Fußspur einzeln erschnüffeln.

Da ich aber durch Laub und Käseklebesohlen den ganzen Käse überall verteilt hatte, verlief die Käsespur kreuz und quer und Max schnüffelte kreuz und quer,
 

verhedderte sich in der Schleppleine.
Ich lachte mich schlapp, vergaß meine Zerrung und lobte meinen Hund, der es wohl einfach gewohnt ist, seltsame Übungen mit mir zu machen. Denn letztendlich hat Max Nase immer recht!


Aber… wir werden es wieder versuchen.
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Anmerkung:
  1. Ab einem gewissen Alter sollte man mit der Fährtenarbeit nur beginnen, wenn man es gewohnt ist, sich vor seinem Hund lächerlich zu machen.

  2. Man sollte keine Käsestückchen verwenden, denn sie kleben an der Schuhsohle fest und verteilen sich eventuell erst später auf der Rückspur.

  3. Man sollte seinen Humor bewahren, wenn der erste Versuch total daneben geht, den Hund loben für richtige Reaktion auf falsche Vorbereitung und stets bereit sein, Neues zu lernen – denn der Hund zeigt uns immer, was wir falsch machen.



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