Gedanken
Max hat wohl zu viel Schnee gefressen und ihm war ein Tag unwohl. Bauchweh, kötzen, grummeln und lustlos hinter mir hertrotten.
 
Während ich ihm eine Diätmalzeit koche, mache ich mir so meine Gedanken. Max ist jetzt bald 8 Jahre alt und wohl auch etwas ruhiger geworden. Manchmal ist er richtig brav, sogar einen ganzen Tag lang, ohne mir irgendwelche Streiche zu spielen und das macht mich doch stutzig. Die Überfälle der hiesigen Junghunde lässt er über sich ergehen – mal an dem Jungspund schnuffeln und dann is auch gut!  „Man sollte niemals unnötig grübeln, denn es bringt nix!“, ermahne ich mich.
 
Meine Gedanken wandern zur Neueröffnung des riesigen Edeka-Markts im nächsten Dorf. Ich bin schon ganz aufgeregt, denn dies ist DAS Ereignis und ich werde dabei sein! Ich sehe mich bereits Champagner schlürfend durch die Glitzerwelt schlendern. Ein echter Konsumtempel mit zarter Musik, die durch unendlich viele Lautsprecher in mein Ohr rieselt, ab und an unterbrochen von einer weichen Stimme, die die geilsten Angebote in mein Unterbewusstsein sendet. Überall sind Berge von Obst, Nüssen und glitzernde Geschenkkartons aufgebaut, ein Weihnachtsbaum steht im Eingangsbereich und die internationalen Weine in der internationalen Glitzerecke. Wunderschön ist der Laden tatsächlich 
und ich wundere mich, warum ich mir darin so verloren vorkomme, die altbekannten Edeka-Leute so weit weg. Ich finde so viel und doch nix mehr am alten Platz. Entweder wird die ganze Sache ab einer gewissen Größe unpersönlich oder ich werde alt. Vom Überangebot etwas verwirrt schleiche ich mich champagnerlos nach Hause.
 
Heute, an diesem herrlichen Wintermorgen lugt die Sonne über den Waldrand und taucht unser schneebedecktes Tal in goldenes Glitzerlicht. Max und ich sind die ersten, die dieses Wunderland betreten. Es ist Wochenende und das Dorf schläft noch. Das erste Mal in diesem Jahr zeigt das Thermometer minus zehn Grad. Max rast schon mal vor zu den einzigen 3 Apfelbäumen, die in diesem Jahr getragen haben. Und, da hängen doch noch so einige Äpfel an den ansonsten kahlen Bäumen. Jeden Samstagmorgen bekommt Max also seinen Eisapfel und ist total glücklich über diesen Fund.
 
Das Packeis ist die Welt des Labradors und Max verschwindet im Wald. Also pfeife ich nach ihm, damit er wieder in Sichtweite kommt. Neben mir am Waldrand ist ein relativ hoher Haufen von dicken Ästen und Gestrüpp. Kurz nach meinem Pfiff fliegt ein Hund über diesen Haufen direkt vor meine Füße, die Rute wedelt mit dem Hund, so dass ich kaum das Leckerli richtig einwerfen kann. Welch ein glücklicher Labi, welch ein glückliches Frauchen. Wir wandern über den Berg der Sonne entgegen und ich benenne jede Spur, in die Max seine Nase steckt.
 
Ich liebe diese glücklichen Momente mit meinem Hund und möchte jede Sekunde in mich einsaugen. Glitzerschnee rieselt von der hohen Buche, die golden und stolz steht im morgendlichen Sonnenlicht. Max wälzt sich im Schnee und ich wandere hinunter ins Tal…
 
Wir schreiben den 8. Dezember und in gut zwei Wochen ist Weihnachten. Kaum zu fassen, das schon wieder ein Jahr sich dem Ende neigt. Vor zwei Tagen ist der Nikolaus des nächtens in unsrer Haus eingedrungen und hat –ganz unbemerkt- unsere Stiefel mit Süßigkeiten gefüllt. Welch schöne Überraschung!
 
Im Haus ist es gemütlich und warm – wir mümmeln uns ein in weiche Decken und schauen auf die Terrasse, wo allerlei Vögel die Körner picken, die wir für sie auslegen. Die Nachbarn haben ihre Büsche mit unendlich vielen goldenen Lichtlein geschmückt.
 
Ich denke an prasselndes Kaminfeuer, gutes Essen und Gemütlichkeit.





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