HeitiTeiti

Castor und Pollux warten, bis wir mit Max vorbei gehen. Gesittet sitzen sie am Wegesrand. Alle Hunde sind angeleint. Max schaut kurz in die Richtung der Beiden und geht vorbei. Oh ja, so wünscht sich Mensch die Begegnung unter Hunden.

Plötzlich jedoch raunt Castor Max etwas recht unfreundlich Klingendes zu, Pollux macht gleich mal mit. Max blökt zurück. Und schon sind wir wieder durch die Prüfung „Wie komme ich gesittet an anderen Hunden vorbei“ gefallen (Der Richter macht sich noch kurz eine Notiz und wendet sich dann ab. Kopfschüttelnd verschwindet er am Horizont meines geistigen Auges).

Ganz abgesehen davon, dass Hunde höchst wahrscheinlich niemals gesittet aneinander vorbeigehen würden, ohne nicht wenigstens mal zu schnuffeln (und das möglichst am Geschlecht!), was das überhaupt für Einer ist, so würden sie doch ganz sicherlich diese Leine weglassen.

Ganz besonders, wenn Mensch zerrt und brüllt – und Hund sich denkt: „Wenn mein Chef noch lauter brüllt als ich, na, dann setz‘ ich noch einen drauf!“

Hunde scheinen also nicht so zu denken, wie wir.

Wie gehen Hunde also mit ihren Artgenossen um, wenn der Tauchsieder Mensch sich nicht reinhängt? Was bedeutet ein Knurren unter Hunden? Ist das was Böses? Glauben wir, einem Hund beibringen zu müssen, wie er sich unter seinen Artgenossen zu verhalten hat? Können wir das überhaupt?

Geknurre und Gebelle von Hunden gegenüber Artgenossen wird in unserer netten Welt sofort und auf der Stelle unterbunden, denn das ist unfreundlich und wir –als Alphatiere im (Menschen?/Hunde?)Rudel- bestimmen, wie sich unsere Hunde gegenüber Artgenossen zu fühlen und zu verhalten haben.

Wir wollen keine Schwierigkeiten. Ganz besonders dann nicht, wenn Zeitzeugen unserer harmonisch-schönen Knuddelwelt uns genau in dem Moment erwischen, wenn Hund plötzlich an der Leine zerrt und irgendeinen Artgenossen anpöbelt.  Dann haben wir wohlmöglich einen Problemhund, und wer will das schon?

Also, sofort ab zum Trainer. Mal drüber schauen lassen. Am besten Einzelstunden. Hundi wird dort ganz schnell lernen, lieber mal die Schnauze zu halten, auch wenn das Gegenüber noch so beängstigend oder bedrohlich wirkt oder unser Hund diesen Artgenossen einfach nicht mag. Wir wollen das nicht und Hundi wird sich fügen.

Ich habe zwar bis heute keine Ahnung, was Welpen voneinander lernen können, aber ja doch, der moderne Welpe besucht die Hunde-Krabbelgruppe. Dort sollen die Kleinen freundlich miteinander spielen, so wie wir Menschen das gerne sehen wollen und genau das zeigen, was WIR unter „freundlich“ verstehen.  Da kann schon ein Spielknurren der Beginn eines Mobbings sein.

Und  gemobbt wird schon mal gar nicht. 

Da fliegt sofort die Rasseldose.

Nur glaube ich persönlich einfach nicht, dass Hunde wissen, was „Mobbing“  im menschlichen Sinne überhaupt bedeutet.

Hunde sollen immer miteinander spielen, auch wenn Paula bereits einige Jahre auf dem Buckel und absolut keinen Bock auf die Nachbarhündin hat. Aber wir wollen das so, und so wird Paula beim Hundetrainer in einigen Einzelstunden lernen, mit der blöden Nachbarhündin zumindest an der Leine wöchentlich spazieren zu gehen. Dafür bekommt sie dann ein Leckerli.

Wir bestimmen, wie unsere Hunde miteinander zu kommunizieren haben. Denn unsere Hunde können das nicht. Sie brauchen unsere Hilfe, denn nur wir wissen, wie Hunde miteinander umzugehen haben. Nämlich so, wie wir Menschen idealerweise (also unrealistisch) miteinander umgehen sollten. Sie sollen also nicht so miteinander umgehen, wie Hunde das normalerweise einfach tun, und das tun sie (realistisch gesehen) erheblich freundlicher, als wir Menschen untereinander.

Dass in Sachen Hundekommunikation selbst die Wissenschaft letztendlich auf Vermutungen angewiesen ist und ständig „neue Erkenntnisse“ auf den Markt geworfen  und nach einigen Jahren wieder revidiert werden, wird schlichtweg ignoriert.

Hunde lügen nicht – zumindest so viel habe ich persönlich bisher beobachten können. Sie zeigen einander deutlich ihre Zu- und Abneigungen. Und das ist auch gut so, denn nur so beugen sie untereinander ernsthaften Konflikten vor.

Wenn wir also unserem Liebling seine hündische Form der Kommunikation gegenüber Artgenossen ab erziehen….

beißt er dann vielleicht eines Tages einen Artgenossen, ohne vorher gewarnt zu haben?

Sind wir dann geschockt, weil wir ihm verboten haben, erst mal zu knurren?

 

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Der Mensch am anderen Ende der Leine
 
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