Lassie...


Lassie legte 3.987 Meilen zurück, durchquerte fünf Staaten und kam schließlich bis auf die Knochen abgemagert und mit blutenden Pfoten zu Hause an. Mit letzter Kraft, kriechend und leise winselnd schleppte sie sich noch die letzten Meter zu Ihrem Menschen hin, um ihn abzuschlabbern, bei ihm zu sein….

 
„Aaaach jaaaah“, seufze ich und kuschle mich in meine Schmusedecke, denn es ist Winter geworden. 

Draußen sieht es aus, als hätte jemand ein Standbild von der Landschaft geschossen. Nichts regt sich und die Sonne lugt als gelber Eiswürfel knapp über den Waldrand. Der eisige Atem des Winters hat die schlammigen Spuren des Försters Auto, der Waldkillermaschine und der Pferdespuren im Moment der totalen Zerstörung für die Ewigkeit konserviert.
 
Nun muss ich wenigstens nicht mehr im Schlamm versinken sondern balanciere auf den eisigen Krusten der aufgeworfenen Erde und pfeife nach meinem Hund, der dem Duft der ersten läufigen Hündin des Jahres folgt. Natürlich sind seine Ohren abgeschaltet und selbst eine Weltmeisterschaftströte würde Max nicht aus seinem Traum erwecken, der so ganz anders aussieht als der meinige.
 
Während Lassie immer wieder aufs Neue Menschen und deren Habseligkeiten rettet und vollkommen selbstlos dabei größte Hindernisse überwindet, kann ich bei Max keinerlei Transferdenken feststellen. Nun haben wir es nach jahrelanger Übung endlich geschafft, dass Max beim Anblick von Rehen so cool bleibt wie beim Pferd vom nachbarlichen Bauern – aber da kommt doch im Januar 2009 dieser Fuchs. Und schon fangen wir wieder von vorne an, wahrscheinlich ebenso viele Jahre. Ich schätze, dass beim Hasen Max bereits ins Rentenalter kommt. Und beim Eichhörnchen wünscht sich Max, dass ich ihm das Fliegen beibringe.
 
Vielleicht hat er ja recht mit seiner Logik, denn ein Reh ist eben kein Fuchs und ein Fuchs ist kein Hase. Das hatten wir ja auch nicht 10.000-mal geübt beim Fuchs und beim Hasen. Stimmt! Dem kann ich nicht widersprechen.
 
Es ist auch irgendwie unlogisch, dass er auf meinen Wunsch hin Wallnüsse aus dem Gestrüpp für mich bringt, da er ja nach dem vierten oder fünften Gestrüppgang diese Wallnuss selber verspeisen kann und dass das für mich gleiche Spiel mit den Tannenzapfen (da diese so gar nicht essbar sind) für Max eben keinen Sinn macht, und zwar von Anfang an nicht …
 
Lassie eilt in meinen Träumen auf mich zu und teilt ihr Essen mit mir während Max nicht mal zu erkennen vermag, dass das Harte der Grund der Futterschüssel ist.
 
Ich denke über Hundeerziehung nach, meine neugierige und verfressene Knutschkugel 

– da lese ich doch, dass es Lassie gar nicht wirklich gibt, denn es wurden pro Film mindestens fünf verschiedene Hunde verheizt. Jedem super ausgebildeten Blindenhund werden die Juwelen entfernt, damit er seinen ihm Anvertrauten zur Hoch-Zeit nicht auf falsche Wege führt.
 
Lassie winselt noch in meine Ohren, während Max im winterlichen Garten den Oregano markiert 

und ich mich lächelnd frage, ob sich hier nicht vielleicht ein ganz neues kulinarisches Highlight für unseren nächsten Rinderbraten anbahnt...
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Der Mensch am anderen Ende der Leine
 
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