Multimorbid



Es ist wieder die Zeit der vielen heißen Hündinnen und Max macht den Max, verschätzt sich beim Hechtsprung über den breiten Graben und stürzt ab.

Als er am Abend beim Aufstehen so mit der Vorderhand hinkt, dass er kaum aufstehen kann, bekommen wir erst mal einen mächtigen Schreck.  Jedoch, schon am nächsten Morgen ist alles wieder in Butter und Max läuft wie geschmiert. Abends wieder die gleiche Leier. Also schonen wir eine Woche und das Hinken kommt kaum noch vor.  Wir beruhigen uns wieder.

Kaum ist das Hinken vorbei, läuft Max fröhlich des Morgens die Treppe runter und hinterlässt eine nicht zu übersehende Blutspur. Wenn er aus dem Liegen aufsteht, denkt man unweigerlich an die Ermordung einer armen Kreatur, die eine hässliche Blutlache auf den Fliesen hinterlassen hat. Ich bekomme die Panik und verfrachte meinen Hund sofort ins Auto zum Tierarzt.

Es wird, unter lautem Protest von Max, die Prostata geschallt. Es bestünden bereits einige Veränderungen.

VERÄNDERUNGEN? Kleine Zysten, die bluten, wenn Hundi den Max macht bei den Weibern. Ich bekomme ein Hormonpräparat und den Rat, den Hund kastrieren zu lassen, sollte keine Besserung eintreten.

Ich bin durch den Wind, sehe die Juwelen meines Hundes im Mülleimer der tierärztlichen Klinik liegen, sehe die Narben und vor allen Dingen die Narkose und OP. Max wird in 2 Monaten 9 Jahre alt… Sex und Rock’n-Roll, machen neben dem Fressen den Hauptteil seines Lebens aus.

Das Medikament ist sehr gut und soll die Prostata recht gut wiederherstellen, vor allen Dingen wirkt es Monate lang. Ich hege doch noch Hoffnung.

Nun hinkt Max aber wieder, nachdem er mit einer süßen Hündin gespielt hat. Und zwar ziemlich heftig. Also…. wieder ab zum Tierarzt.  Das Gangbild draußen ohne Befund, Max lief gut – nur mein Mann konnte nicht so schnell rennen, wie es der Tierarzt gerne gehabt hätte. Der Arzt tastet die Vorderläufe ab, verdreht und verbiegt – alles geschmeidig. Der Arzt hatte noch einen Film gefordert, um sich Max Hinken anzusehen. Wir bekommen Schmerzmittel für Max und sollen ihn schonen. Was wir auch tun – ich halbiere die Spazierzeiten und versuche, Hundebegegnungen zu vermeiden.

Wie das aber so ist: Möchte man gerne auf andere Hunde treffen, sind wochenlang keine zu sehen. Möchte man das vermeiden, so trifft man sie täglich in rauen Mengen. Ich verlege meine morgendlichen Spaziergänge in die Dämmerung, wenn die anderen noch schlafen.

Ich filme täglich Max Hinken beim Aufstehen – es wurde besser – aber als Max am Sonntag im Garten gazellengleich über die zwei Stufen der Terrasse bis zum Zaun flog, um die heiße Nachbarhündin zu bezirzen, die hinter den Büschen stand, war alle Schonungsmühe dahin. Adonis humpelte danach wie altes Mann.

Mit einem abendfüllenden Spielfilm zum Tierarzt. Ohne den Hund jetzt in Narkose legen zu müssen für eine Röntgenaufnahme tippt der Arzt auf eine Reizung der Bizepssehne durch den Sturz am Graben.  

 

Nun erklärte mir der äußerst geduldige Arzt, was Schonung heißt: Nicht mehr als 10 Minuten an der Leine, keinen einzigen Sprung, denn dann wären wir wieder am Anfang. Klingt schlüssig. Das Ganze wäre eine langwierige Sache – 3 Wochen sind erst mal angesagt unter täglicher Verabreichung von Schmerzmitteln.

Also schonen wir. Woche Eins: Wir gehen gerade mal um die Ecke und bevor Max überhaupt scheißen kann, sind bereits 5 Minuten vergangen (wir müssen ja noch zurück!) Also, streng wie wir sind, scheißen wir erst beim zweiten Schongang. Der Leinenzwang soll jeglichen Sprungversuch von Max durchkreuzen. Ich spreche mit sämtlichen Hundebesitzern und laufe täglich viermal ein winziges Quadrat.

Fazit: Am Ende er ersten Woche ist Max so danieder, dass er gar nicht mehr rausgehen möchte. Die Schmerzmittel scheint er nicht zu vertragen, denn er furzt  wie ein Weltmeister und der Bauch ist aufgebläht. Er schläft nur noch und ist total schlapp. Das Hinken ist nicht wesentlich besser geworden.

Woche Zwei: Mein Mann lässt unseren depressiven Hund von der Leine und Max ist wieder glücklich. Der Spaziergang  dauert 20 Minuten. Wir lassen die Schmerzmittel weg und gehen mit Max 20 Minuten im Freilauf. Max ist wieder happy und das Hinken wird mit jedem Tag weniger.

Natürlich achten wir darauf, dass Max nicht mit anderen Hunden zusammenkommt und dass er auch nicht über Gräben springt. Bisher klappt das prima und die vorgewarnten Hundebesitzer sind sehr rücksichtsvoll.

Insgesamt sind beinahe 3 Monate ins Land gegangen, bis unser Held wieder fast normal aufsteht. Wir sind wieder in der Lage, andere Hunde zu treffen, langsam unsere alten Runden zu gehen und unser Revier zurück zu erobern.

Ich bin dankbar…. und wage die Hoffnung auf ein sorgenfreies 2014

 

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Der Mensch am anderen Ende der Leine
 
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