Nexus




Obwohl wir seit einigen Wochen wussten, dass unser Purzel sich auf den Weg in den Nexus* vorbereitete, kam sein letzter Tag auf dieser Welt völlig unerwartet für uns.

Ich hatte noch Unmengen von Trockenfutter und saftigen Fleischdosen gekauft, als ob die Menge ein Leben verlängern könne. So nach dem Motto: „Wenn wir noch für Monate so viel gutes Futter haben, muss Max das ja alles aufessen, sonst scheint die Sonne nicht!“

Max hat das wohl gespürt, denn er schwang sich nochmal auf wie Phoenix aus der Asche. Er ist sogar ein wenig geflitzt mit wachen Augen und wedelnder Rute. Obwohl er täglich schwächer wurde, hat er sich sehr viel Mühe gegeben (das konnte man tatsächlich sehen), mit uns die Weihnachtsferien zu verbringen und war bei allen guten Naschereien, mit denen wir ihn verwöhnten, voll präsent. Und er hat im Revier der kleinen Pocke nochmal eine gewischt, weil sie sein Leckerli geklaut hat.

Gleich, nachdem mein Göttergatte wieder arbeiten musste, entschied sich Max dafür, dieser Welt den Rücken zu kehren. Seine Zeit war einfach gekommen. Die Tierärztin kam für den letzten Dienst, den wir Max erweisen konnten und alles geschah ganz ruhig und ohne Aufregung. Ich glaube nicht, dass Max überhaupt gemerkt hat, wie das Band des Nexus ihn davon trug.

Ich habe Max so innig geliebt, dass mein seelischer Schmerz über seinen Verlust nicht zu beschreiben ist.



Von Tag eins an war Max ein Quell der Freude, die mich umpfing, sobald ich früh morgens die Augen öffnete. Für Max war jeder Tag so, wie für Kinder ein Tag auf dem Rummelplatz. Selbst in für mich traurigen Zeiten brachte Max mich immer zum Lachen durch seine absolut kompromisslose Hinwendung zum prallen Leben.








Er lebte jeden Moment, als ob diese Welt ihm gehöre, wenn wir hinaus traten, um unser Revier zu erkunden. Und was für Abenteuer wir erleben durften in den vielen vielen Jahren unserer gemeinsamen Zeit.

Max war ein Schmusebär und grunzte vor Wonne, wenn man ihn knuddelte. Ich empfand eine höchst friedvolle innere Ruhe, wenn ich ihn im Schlaf beobachtete, was ich oft tat. Oder die Massagen zur Lockerung seiner Muskeln, bei denen er einschlief und leise schnarchte oder zufrieden vor sich hin schmatzte. Ich sang so gerne Lieder für ihn, denn er liebte meinen Gesang und hatte so seine Lieblingslieder. Wie tief beglückt war ich, wenn wir miteinander rauften und spielten. Ich besprach alles mit ihm, denn er war außerordentlich diskret. Wir waren eine Einheit, untrennbar miteinander verwoben. Wo ich war, war Max und umgekehrt.

Max hatte ein langes, erfülltes und wunderbares Leben . Als Mitglied unserer winzigen Familie war er so gut wie nie allein. Er erkundete täglich sein riesiges Revier. Er fühlte sich als Chef der Konkurrenz und flirtete mit vielen schönen Hundedamen – er hat sich geprügelt und er war oft verliebt, so, wie es sich für einen Rüden gehört.

Er war intellektuell gefordert mit vielen Spielen, lustigen Trainings und was weiß ich für'n Scheiß, der Hunden und Menschen Freude bereitet.

Max hat die Welt gesehen. Er war im Ausland. Er hat im Meer gebadet und in undendlich vielen Gewässern verschiedener europäischer Länder sein ständiges Bedürfnis nach Wasser befriedigt. Er hat unglaublich viele Hunde kennen gelernt.

Er war einfach überall dabei und durfte sein Leben in vollen Zügen genießen.

All meine kleinen Geschichten hier , die ich über die Jahre geschrieben habe, zeugen von einem erfüllten und glücklichen Mensch-/Hunde-Leben und ich bin unendlich dankbar, dass Max dereinst in mein Leben trat und mir so viele schöne Jahre schenkte. Ich habe viel von ihm gelernt.

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* Der Nexus ist ein Ort außerhalb unseres Raum-Zeit-Kontinuums. Meistens wird mit dem Namen jedoch eine Energieverzerrung bezeichnet, die den Übergang in den „echten Nexus“ darstellt. Das Energieband besteht aus äußerst starken energetischen, gravimetrischen und temporalen Verzerrungen.

Der eigentliche Nexus ist ein Ort voller Glückseligkeit. Wird eine Person in den Nexus gezogen, werden ihm alle Wünsche und Träume erfüllt, sodass niemand mehr diesen Ort verlassen möchte. 2293 wird Captain James T. Kirk in den Nexus gerissen. Kirk erlebt dort seine Zeit in einer Blockhütte wieder und trifft seinen vor Jahren gestorbenen Hund Butler.

(Quelle: Memory-Alpha)

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