Ragout Fin

Fassungslos starre ich aus dem Fenster.

Ein schwarzer Himmel hat sich des gesamten Tals bemächtigt und dicke Regenfäden ziehen sich vom Endzeithimmel hinunter auf den aufgeweichten Boden.
 

Kein vernünftiger Mensch würde sich da raus wagen aber Max drängt zum Aufbruch, ist selig, dass es endlich losgeht, wirft sich vor mich hin, mein zweites Paar Socken zerknatschend und ich petze ihn in sein Bäuchlein.  

Kaum sind wir um die Ecke in den Planweg zur Wildnis eingebogen, bohrt sich Max in den Asphalt. Ein Magnet scheint die Hundenase erfasst zu haben. In ungeheurer Geschwindigkeit zerrt der unterirdische Magnet Max Nase in alle Richtungen und der arme Hund muss offensichtlich der festgeklebten Nase hinterher. Ich bin höchst erstaunt, denn er wird mal nach rechts, mal nach links geschleudert. Der Arme! 

Eine letzte Sex besessene Hündin hat in diesem dahinscheidenden Jahr ihre unwiderstehlichen Lockstoffe in den Weg platziert und Max das Hirn raus geblasen. Testosteron hat sich seiner bemächtigt wie der Leibhaftige die ahnungslose Seele und er sabbert was das Zeug hält.  

Der Regen prasselt auf mich hernieder, eine Windböe hat meinen Regenponcho erfasst und wirft ihn über mich, der Poncho raubt mir die Sicht und lässt mich aussehen wie ein Rindswürstchen im Schlafrock. Schlabbernd und sabbernd verschwindet Max derweil am Horizont; ich kämpfe noch immer gegen die Unbilden der gnadenlosen Natur und bin froh, dass kein Mensch bei diesem Wetter rausgeht, um Zeuge dieses seltsamen Schauspiels zu werden. 

Plötzlich hält Max inne und verweilt unendlich lange an einer Stelle im Gras. Mein Poncho sitzt mittlerweile wieder da, wo er sein sollte und ich eile zum Ort des Geschehens.  

Mit ungläubigem Auge sehe ich, dass ein Häufchen Kotze mitten in einem Kuhfladen platziert meinen Hund zu einem höchst überraschenden ersten Frühstück eingeladen hat. Der herunterprasselnde Regen hat das Ganze mittig vermischt und der Rand des Kuhfladens erweist sich als Tartekörbchen zum Ragout Fin. Richtig surreal und einfach widerlich! 

Nur widerstrebend lässt sich Max von diesem herrlichen Fund wegzerren. Ich hab’ aber auch nicht die geringste Ahnung davon, was wahrlich gut ist.  

(Am Nachmittag wird er versuchen, mir ein Schlabberküsschen auf die Wange zu drücken, während ich meinen Mittagsschlaf halte.)

Abends kotzt Max ins Wohnzimmer auf die frisch geputzten Fliesen und mein Mann will sofort hoch, den Putzeimer füllen, den Wischlappen flott machen…. 

Ich bremse ihn. Er solle nur einen Moment warten… dann sei alles wieder blitz-blank! 

Mein Mann verzieht das Gesicht zu einer wahrlich angeekelten Grimmasse

… aber ich hab’ einfach mehr Ahnung vom wirklichen Leben.

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